Für ein paar Dollar mehr

Der Weltuntergang wurde dieses Jahr für den 17. Oktober prophezeit. „Sollten sich Demokraten und Republikaner in Washington bis dahin nicht darauf einigen, die Schuldengrenze anzuheben, droht den USA die Zahlungsunfähigkeit. Das könnte katastrophale Folgen für die Weltwirtschaft nach sich ziehen, warnen Experten.“ So stand es in einer Zeitung. In einer anderen war allerdings zu lesen: „Die Wall Street bleibt vom US-Stillstand unbeeindruckt.“ Wem sollte man glauben, den warnenden Experten oder der Schwarmintelligenz des Geldes? US-Präsident Obama zitierte das „Orakel von Omaha“: Warren Buffett habe den Staatsbankrott als eine „Massenvernichtungswaffe“ bezeichnet, die niemals eingesetzt werden dürfe. Das regte die Phantasie noch weiter an. Ein Redakteur der „Welt“ malte ein Höllenszenario: „Keine Rente würde mehr angewiesen, kein Diplomat oder Soldat bezahlt, keine Rechnung an die staatlichen Krankenversicherungen Medicare oder Medicaid beglichen. Volkswirtschaftlich noch verheerender: Washington müßte beim internationalen Schuldendienst passen. Die USA gehen zum Geldautomaten, und das Display sagt: ,Sie haben Ihr Kreditlimit überschritten, die Karte wird eingezogen.`“ Weiterlesen

Die USA erleben einen Gasboom

Die USA könnten in nur wenigen Jahren zu einem bedeutenden Gasexporteur werden. Von dieser Entwicklung würde am Ende auch Europa profitieren.

Wenn ein relativ kleines Unternehmen eine Milliarden-Investition tätigt und sich danach herausstellt, dass es den Markt falsch eingeschätzt hat, bedeutet dies oft den Bankrott. Der texanische Energiekonzern Cheniere Energy befand sich bis vor Kurzem in einer ähnlichen Lage. Das Unternehmen hatte sich mehrere Milliarden Dollar geliehen, um in Louisiana einen Import-Terminal für verflüssigtes Erdgas ( liquified natural gas , abgekürzt LNG) zu errichten. Das Gas, so der Plan, würde in Ländern wie Katar oder Algerien auf minus 163 Grad Celsius abgekühlt und verflüssigt, in spezielle Schiffe gefüllt, zu dem Terminal von Cheniere verschifft und dort wieder in Gas verwandelt.

Das klang zu einer Zeit, in der die Gaspreise in den USA hoch waren und manche glaubten, sie würden immer weiter steigen, nach einer guten Geschäftsidee. Doch neue Technologien – horizontales Bohren und das in Deutschland umstrittene Verfahren des so genannten Frackings , bei dem Chemikalien unter großem Druck in Gesteinsformationen gepresst werden – haben den US-Gasmarkt komplett umgekrempelt. Jetzt können auch Gasvorkommen ausgebeutet werden, die vor zehn Jahren noch als unwirtschaftlich galten. Weiterlesen

Die FDR-Situation

US-Präsident Obama hat mit ähnlichen Problemen zu kämpfen wie einst sein Vorgänger Roosevelt – auch in Sachen Bankenkrise.

Als Barack Obama im November 2008 zum US-Präsidenten gewählt wurde, verglichen ihn manche mit Franklin D. Roosevelt – der im November 1932 ebenfalls mitten in einer Depression als demokratischer Kandidat die Herrschaft der Republikaner im Weißen Haus beendete. Anderthalb Jahre nach seiner Wahl kann man sagen, daß Obama tatsächlich auf einigen Gebieten mit ähnlichen Herausforderungen zu kämpfen hat wie Roosevelt.

In der Fiskalpolitik setzt Obama auf Turbokeynesianismus. Der neueste Haushalt sieht Ausgaben von 3,8 Billionen Dollar vor, das Defizit soll 1,6 Billionen betragen. Nach dem jetzigen Plan werden die USA im Jahr 2020 pro Jahr 912 Milliarden Dollar Zinsen auf ihre Schulden zu zahlen haben. Am Arbeitsmarkt sieht es ähnlich düster aus wie Mitte der dreißiger Jahre. Die faktische Arbeitslosigkeit (inklusive der Unterbeschäftigten und derjenigen, die aufgehört haben, einen Job zu suchen) liegt bei 17 Prozent; die offizielle Arbeitslosenquote sank im Januar zwar leicht auf 9,7 Prozent, doch gleichzeitig wurden weitere 20.000 Stellen abgebaut. Seit Beginn der jetzigen Depression haben 8,4 Millionen Menschen ihren Job verloren. Weiterlesen

Krieg der Welten

Haben die USA dem Djihadismus tatsächlich den Kampf angesagt?

„Wir sind im Krieg, wir sind im Krieg gegen al-Qaida“, sagte US-Präsident Barack Obama im Januar dieses Jahres. Wie konnte es dazu kommen? Und wann mag dieser Krieg begonnen haben? Wurde schon eine Kriegserklärung überreicht? Bislang hatten Obama und seine Leute eine ganz andere Geschichte erzählt. Sie verbannten nicht nur die Bezeichnung war on terror, sondern sogar das Wort „Terrorist“ aus ihrem Wortschatz: Als Obamas neue Heimatschutzministerin Janet Napolitano im März 2009 vor dem Kongress ihre Antrittsrede hielt, verwendete sie stattdessen die Umschreibung man-caused disaster. Terror ist also eine „von Menschen gemachte Katastrophe“, wie ein Unfall in einer Chemiefabrik. Ob denn islamistischer Terrorismus keine Bedrohung mehr sei, wurde sie in einem Interview gefragt. Doch, antwortete Napolitano, diese sprachliche „Nuance“ solle aber demonstrieren, dass sich die neue Regierung von der „Politik der Angst wegbewegen“ wolle.

Ob das auch al-Qaida dazu bewegen wird, sich von der Politik der Angst zu lösen und stattdessen auf sympathisches Auftreten zu setzen? Was die Haltung gegenüber der djihadistischen Bewegung und den djihadistischen Staaten angeht, war das erste Jahr der Amtszeit von Präsident Obama noch schlimmer, als zu befürchten war. Im Juni hielt er in Kairo eine Rede, die als ein „Ausstrecken der Hand gegenüber der islamischen Welt“ (lies: den dort herrschenden Tyrannen) angekündigt worden war. Darin verrechnete er die Ermordung der europäischen Juden mit dem „Leiden“ des „palästinensischen Volkes“, das nun schon 60 Jahre dauere. Er vergaß dabei die Tatsache, dass das „palästinensische Volk“ sein Leid selbst verschuldet hat und sich 1948 (und auch danach) auch dafür hätte entscheiden können, mit Israel in Frieden zu leben. Weiterlesen