UN? My ass!

Bei der Generalversammlung der Vereinten Nationen am vergangenen Donnerstag hat sich – wie fast immer weitgehend unbeachtet von deutschen Medien – in Bezug auf Israel einmal mehr eine Groteske zugetragen. Eine Groteske, die selbst einer qua Funktion eigentlich zur Zurückhaltung verpflichteten Dolmetscherin so spontane wie ungewöhnliche Worte der Verwunderung abrang. Hillel Neuer, der Executive Director der Uno-kritischen Organisation UN Watch, hat die Ereignisse, die sich während der Versammlung abspielten, auf dem Blog von Times of Israel kommentiert. Mit seiner Zustimmung hat Stefan Frank den Beitrag für Lizas Welt ins Deutsche übersetzt.


VON HILLEL NEUER


Die Wahrheit kommt ans Licht, wenn wir glauben, dass niemand zuhört. Als Reaktion auf neun politisch motivierte Resolutionen der UN-Generalversammlung gegen Israel bei null Resolutionen gegen den Rest der Welt hat eine Dolmetscherin der Vereinten Nationen heute [am 14. November] Worte der Wahrheit gesprochen, nicht wissend, dass das Mikrofon eingeschaltet war. Als sie davon ausging, nur zu Kollegen zu sprechen, sagte sie die folgenden Worte in die Kopfhörer jedes UN-Delegierten und zum Publikum, das die Live-Übertragung weltweit im Internet verfolgen konnte:

»Ich finde, wenn es … insgesamt etwa zehn Resolutionen zu Israel und Palästina gibt, da muss es doch, c’est un peu trop, non? [das ist etwas viel, nicht wahr?] Ich meine, ich weiß … Anderer wirklich schlimmer Mist passiert, aber niemand sagt etwas über diesen anderen Kram.«

Unter den Delegierten gab es Gelächter. »Die Dolmetscherin entschuldigt sich«, sagte die unglückliche Verkünderin der Wahrheit Augenblicke später, gefolgt von einem vernehmlichen Schnaufen. Ich hoffe inständig, dass sie nicht gefeuert wird. Denn wer sich wirklich entschuldigen müsste, das ist die Uno. Gegründet auf noblen Ideen, verwandelt die Weltorganisation den Traum freiheitlicher Internationalisten in einen Albtraum. Wenn ihre jährliche legislative Sitzung im nächsten Monat zu Ende geht, wird sie insgesamt 22 Resolutionen verabschiedet haben, die Israel verurteilen – und nur vier gegen ein anderes Land der Welt. Die Scheinheiligkeit, Selektivität und Politisierung sind atemberaubend. Weiterlesen

»Stimmen gegen Öl«

Hillel Neuer von »UN Watch« erklärt, wie Anti-Israel-Resolutionen der Vereinten Nationen zustande kommen.

Von Steward Ain

Herr Neuer, was ist UN Watch, und was wollen Sie erreichen?
Wir beobachten die Vereinten Nationen und messen das, was sie tun, an ihrer eigenen Charta. Es geht uns um Menschenrechte für alle. Wir legen besonderes Augenmerk auf den Kampf gegen einseitig antiisraelische Tendenzen, die die Fähigkeit der UNO einschränken, sich auf wirklich drängende Menschenrechtssituationen zu konzentrieren.

Lässt sich das, was Sie als einseitig anti-israelische Tendenzen ansehen, in Zahlen ausdrücken?
Jedes Jahr werden in der Generalversammlung in New York etwa 22 Resolutionen gegen Israel verabschiedet und insgesamt vier gegen alle anderen Länder der Welt. Schon seit Jahrzehnten liegt die Zahl der einseitigen Resolutionen gegen Israel ziemlich konstant bei über 20 im Jahr. Weiterlesen

Willkommen im Club

Kein Land der Arabischen Liga beantragt eine Sitzung, die sich mit der blutigen Niederschlagung von Protesten in Syrien und der Ermordung von Gegnern des Assad-Regimes befasst. Warum? „Syrien ist anders als jedes andere arabische Land“, sagt ein Funktionär der Arabischen Liga. „Als ein Land unter israelischer Besatzung … hat das herrschende Regime in Damaskus eine gewisse Besonderheit, das Land befindet sich in einem Kriegszustand.“ Die Golanhöhen – 0,65 Prozent der Fläche Syriens – sind von Israel besetzt, also darf Assad ruhig auf Demonstranten schießen.

Daran kann man die Überlegung knüpfen, ob auch Gaddafi mit so viel Nachsicht behandelt würde, wenn er seinen Kampf gegen die Juden noch genauso entschlossen führte wie in den siebziger und achtziger Jahren. Er wird mit anderem Maß gemessen als Bashar al-Assad – was aber nicht bedeutet, dass er keine Freunde mehr hätte. Auch ein Antisemit in Altersteilzeit hat noch viele Anhänger, die ihn wegen seiner „antiimperialistischen Vergangenheit“ schätzen und lieben. Oder dann, wenn sie gezwungen sind, sich von ihm aus geschäftlichen Gründen zu distanzieren, es auf eine Weise tun, die die alte Bewunderung immer noch durchscheinen lässt. Zwei Beispiele: Weiterlesen