»Die Welt hasst Israel immer mehr«

Coverbild Allein unter Juden

Zweiter und letzter Teil eines Interviews mit dem israelisch-amerikanischen Autor Tuvia Tenenbom, Verfasser des unlängst erschienenen Buches »Allein unter Juden – eine Entdeckungsreise durch Israel« (Suhrkamp-Verlag). Zum ersten Teil des Gesprächs geht es hier.

Ein wichtiges Thema in europäischen Debatten ist die sogenannte Islamophobie.

Es stimmt, es gibt Islamophobe. Viele Kritiker des Islam, die ich getroffen habe, Leute aus dem rechten Spektrum in Europa oder den USA, wissen ebenso wenig über den Islam wie die Intellektuellen – diejenigen, die ihn lieben. Die, die antiislamisch sind, zitieren mir gegenüber Stellen aus dem Koran, aber wenn ich sie nach anderen Stellen frage, stellt sich heraus, dass sie sie nicht kennen, dass sie also den Koran nicht gelesen haben. Diese Antimuslime sind genauso gut wie die Promuslime der Linken – beide lesen nie den Koran. Islamophob zu sein ist falsch, nur der gegenwärtige Islam ist verantwortlich zu machen. Warum gibt es auf den Flughäfen Kontrollen, bei denen man oft stundenlang Schlange stehen muss? Fürchtet irgendjemand, dass ein jüdischer Siedler aus Hebron das Flugzeug in die Luft sprengen könnte? Die Muslime, genauer gesagt: die Palästinenser haben damit angefangen. Linke Pseudointellektuelle sagen: Der Islam und die Muslime sind toll, es gibt nur ein paar faule Äpfel; die Islamophoben, die die Muslime hassen, sagen: Alle Muslime sind böse, und der Islam ist eine furchtbare Religion. Beides ist Bullshit. Beide irren sich, haben nie etwas gelesen und sind nicht ehrlich genug, um Tatsachen zu prüfen.

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»Deutsche finanzieren antiisraelische NGOs«

Tuvia Tenenbom (rechts) mit Stefan Frank. © Stefan Frank.

Erster Teil eines zweiteiligen Interviews mit dem israelisch-amerikanischen Autor Tuvia Tenenbom, der nach »Allein unter Deutschen« kürzlich mit »Allein unter Juden – eine Entdeckungsreise durch Israel« (Suhrkamp-Verlag) ein weiteres Buch veröffentlicht hat. Darin kritisiert Tenenbom nicht zuletzt die Theorie und Praxis linker NGOs in Israel, ihre Unterstützung durch europäische Aktivisten und ihre Finanzierung aus Europa, insbesondere aus Deutschland. Zum zweiten Teil des Gesprächs geht es hier.

Juden, die Israel hassen, spielen eine wichtige Rolle in deinem Buch – wie auch in dem Konflikt selbst. Doch sie arbeiten nicht allein, oder?

Ohne europäisches – und vor allem deutsches – Geld gäbe es keine israelischen linken Organisationen. B’Tselem, Shalom Achshav (Peace now), Rabbis for Human Rights – wer gibt ihnen das Geld? Vor allem Europäer. Und das meiste Geld kommt aus Deutschland.

Woher weißt du das?

Man braucht sich bloß die von solchen Organisationen eingereichten Steuererklärungen anzusehen. Wie viel Geld erhalten die antiisraelischen NGOs von Israelis? Sehr wenig. Diese Vereinigungen, die für eine Menge schlimmer Dinge verantwortlich sind, würden ohne europäisches Geld nicht existieren. Die Europäer suchen nach Juden, die sich selbst nicht mögen, und geben ihnen Geld. Schau dir israelische Filme an – sie sind meistens kritisch gegenüber Israel. Wer finanziert sie? Deutsche. Es gibt alle möglichen Koproduktionen mit dem ZDF, der ARD, Arte

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»Die humanitäre Maske fällt«

Antisemitismus hat mannigfache Erscheinungsformen und kommt immer wieder in neuem Gewand daher, heute vor allem als Antizionismus. Im Interview spricht Manfred Gerstenfeld, Vorsitzender des Präsidiums des Jerusalem Center for Public Affairs, über den Israelhass vieler Europäer.*

In Ihrem Buch »Demonizing Israel and the Jews«** haben Sie 57 Personen interviewt, die jeweils Experten sind für unterschiedliche Aspekte des Antisemitismus und seine neueste Form, den Antiisraelismus. Welche Resonanz hat das Buch ausgelöst?

Manfred Gerstenfeld: Es gab eine große Resonanz in der jüdischen Welt und auch in nichtjüdischen Medien in den USA und Kanada. Vor allem ging es um die große Zahl der EU-Bürger, die wahnhafte Ansichten über Israel haben, wie etwa, dass Israel einen »Vernichtungskrieg« – ein echtes Hitler-Wort – gegen die Palästinenser führe. 150 von 400 Millionen erwachsener Europäer glauben das! Das ist eine ungeheure Zahl. Würde Israel tatsächlich einen solchen Vernichtungskrieg führen, gäbe es ja schon seit vielen Jahren keine Palästinenser mehr. Wenn jemand über einen anderen eine solche falsche, extreme Meinung hat, bedeutet dass, dass er selbst ein kriminelles Weltbild hat. Damit fällt die Maske vom humanitären Europa. Wenn es so viele Europäer gibt, die ein solches stereotypes und völlig falsches Bild von Israel haben, sind wir in einer Situation wie in den 1930er Jahren. Damals betraf es die Juden.

Wie haben Sie die Zahl von 150 Millionen ermittelt?

Das ist ziemlich leicht. Man braucht nur die Bielefelder Studie von 2011 zu nehmen. In sieben Ländern liegt der durchschnittliche Anteil der Erwachsenen, die der Aussage »Israel führt einen Vernichtungskrieg gegen die Palästinenser« zustimmen, bei über 40 Prozent. Weiterlesen

»Das wird sich historisch rächen«

Der Politologe Wahied Wahdat-Hagh* analysiert die Situation im Iran und berichtet über den Genozid an den Bahai. Dass die Europäer die Führerdiktatur unterstützen, bezeichnet er als schweren Fehler.

Die Ära des iranischen Präsidenten Ahmadinedjad ist zu Ende. Was waren die wichtigsten Entwicklungen in seiner achtjährigen Amtszeit?

Wahied Wahdat-Hagh: Das Land ist ärmer geworden. Die Probleme des Landes sind gewachsen. Iran ist potenziell der Atombombe näher gekommen. Die antisemitische Staatsdoktrin, die in der Ideologie verankert ist, ist deutlicher zum Ausdruck gekommen. Der Iran ist isolierter als vorher.

Was ist aus der grünen Demokratiebewegung von 2009 geworden? Wie fest sitzt das Regime im Sattel?

Dank totalitärer Gesetzgebung, Bassiji und Revolutionsgardisten, Ölgeld und einer fanatischen Schar von Anhängern ist die grüne Demokratiebewegung zerschlagen worden. Die Diktatur sitzt zwar fest im Sattel, aber voraussagen kann man die Geschichte des Iran nicht. Die Bevölkerung hält gegenwärtig still, weil sie weiß, wie die staatliche Antwort sein könnte: Folter und Todesstrafe, Vergewaltigung von Frauen und Kindern in den Gefängnissen.

Vor den jüngsten Parlamentswahlen im Iran schrieben westliche Journalisten von »Moderaten« und »Hardlinern« . Gehen sie bloß dem Teheraner Regime und seiner Demokratiepersiflage auf den Leim, oder gab es tatsächlich Unterschiede zwischen den Kandidaten?

Prinzipiell muss man sagen, dass die Reform-Islamisten und Hardliner beide die totalitäre Diktatur mit unterschiedlichen Methoden stabilisieren wollen. Die elften Präsidentschaftswahlen sahen zwar aus wie Wahlen, aber demokratisch waren sie nicht. »Islamische Wahlen« nennen sie die iranischen Machthaber. Sie dienen lediglich der Mobilisierung der Bevölkerung, sie soll mit ihrer Teilnahme die Diktatur legitimieren. Von 686 Kandidaten, die sich um das Amt des Präsidenten beworben hatten, wurden nur acht zugelassen. Weiterlesen

Schnitzeljagd in Hitlers Zimmer

Tuvia Tenenbom (links) und Stefan Frank, Oldenburg, 27. Februar 2013

Tuvia Tenenboms Buch »Allein unter Deutschen. Eine Entdeckungsreise« gehört hierzulande zu den meistgekauften Sachbüchern. Gleichzeitig ist der Verfasser – über den die Süddeutsche Zeitung als »der Jude Tenenbom« und ein Gutachter des Rowohlt-Verlags als »jüdischer Hysteriker« spricht – das Ziel wütender Angriffe, die oft von Leuten kommen, die das Buch gar nicht gelesen haben. Für Lizas Welt sprach Stefan Frank (Foto, rechts) mit Tenenbom (links) über die Ayatollahs des Rowohlt-Verlags, Unterschiede zwischen der amerikanischen und der deutschen Fassung des Buchs, die Dummheit und Bösartigkeit deutscher Intellektueller, die Angst der jüdischen Gemeinden, das Reisen, Radfahrer und die Vorzüge des Apple-iPad.

Ihr Buch hätte eigentlich im Rowohlt-Verlag erscheinen sollen, der es auch schon beworben hatte. Dann aber weigerte sich der Verlag, das Buch zu drucken, und warf Ihnen vor, Sie seien »offenkundig ein jüdischer Hysteriker«. Hat das vielleicht auch etwas mit Joachim Fest, dem verstorbenen Vater des Verlagsleiters Alexander Fest, zu tun?

Tuvia Tenenbom: Joachim Fest hat bekanntlich die erste deutsche Hitler-Biografie geschrieben und dabei ganze drei von über tausend Seiten den Konzentrationslagern gewidmet. Er hat außerdem Albert Speer* geholfen, aus seinen Memoiren ein Buch zu machen. Das ist der Papa, und der Sohn ist wie der Papa. Als er mein Manuskript sah, hat er sofort Änderungen angeordnet: »›Club 88‹? Kein Deutscher interessiert sich für Neonazis. Raus! Jemand sagt: ›Ich mag keine Juden‹? Das ändern wir zu: ›Ich mag Israel nicht.‹« Und so weiter. Ich sagte ihm: »Sie sollten ein Redakteur im Iran unter den Ayatollahs sein.« Wir hatten also großen Krach.

Schließlich wollte Rowohlt den Vertrag auflösen und zwei Drittel des Vorschusses zurückhaben. Da sagte ich: »Hört zu, laut Vertrag müsst ihr mein Buch bis September 2012 auf den Markt bringen. Ich weiß, dass euch das nicht gefällt. Wenn ihr vertragsbrüchig werdet, dann (maliziös flüsternd) werde ich jüdische Anwälte aus New York holen und werde euch auf jeden Dollar verklagen, (sehr laut) Millionen und Abermillionen! Ich gebe euch fünf Minuten.« Nach vier Minuten rief der Rowohlt-Verlag an und sagte, dass ich das Geld nicht zurückzahlen müsse. So groß war dort die Angst vor den jüdischen Anwälten. Manchmal ist Antisemitismus doch zu etwas nütze.

Die amerikanische Ausgabe Ihres Buches trägt den Titel »I Sleep in Hitler’s Room«. Auf Deutsch heißt es: »Allein unter Deutschen«. Warum zwei verschiedene Titel?

Der eine Titel war meine Idee, der andere die des Suhrkamp-Verlags. Für gewöhnlich hat der Verleger das Recht, einen Titel auszusuchen, wie auch bei Zeitungen, wo es den Redakteuren vorbehalten ist, die Überschrift und die Unterüberschrift zu bestimmen. In New York hat der eine Titel funktioniert, für Deutschland ist ihnen der andere eingefallen, und ich finde, der ist für die deutsche Version sehr gut. Für »I Sleep in Hitler’s Room« gab es zwei Gründe: Zum einen habe ich tatsächlich in Hitlers Zimmer im Weimarer »Hotel Elephant« geschlafen, zum anderen fühlte sich Deutschland am Ende der Reise an wie Hitlers Zimmer. Weiterlesen

Interview de Walid Phares, conseiller Moyen-Orient de Mitt Romney

Walid Phares est un universitaire américain, né à Beyrouth et citoyen américain. Il a enseigné la stratégie géopolitique à la National Defense University de Washington DC. Il est conseiller auprès la Chambre des représentants américaine sur le contre terrorisme.

Il a publié une dizaine de livres sur les conflits du Moyen-Orient et le terrorisme international. Son livre le plus récent (Décembre 2010) est « The Coming Revolution: Struggle for Freedom in the Middle East  » (la prochaine révolution : la lutte pour la liberté au Moyen-Orient), qui projette les révoltes en cours dans le grand Moyen-Orient. (www.walidphares.com)

Quelles sont les pires erreurs commises par Barrack Obama au cours de ces quatre ans, en ce qui concerne le Moyen-Orient ?

L’administration Obama a fait des erreurs stratégiques très coûteuses pour les Etats-Unis en particulier, mais aussi pour l’Occident en général, ainsi que pour les peuples du Grand Moyen-Orient.

La mère de toutes les erreurs a été de renoncer à soutenir la poursuite de la liberté et de la démocratie des peuples de la région, et, à la place, d’avoir essayé de passer des accords avec des dictatures comme les ayatollahs iraniens, d’une part, et d’autre part de s’être associé, pendant le printemps arabe, à des mouvements radicaux et des dictateurs en puissance, comme les Frères musulmans.

Déjà dans son discours inaugural de politique étrangère pour la région, le discours du Caire de 2009, le président Obama a négligé le rôle des laïcs et des réformateurs dans les sociétés civiles, il a ignoré l’oppression des minorités ethno religieuses, et a insisté pour faire des partenariats avec les islamistes. Weiterlesen

„Wir sind gut beraten, die Ruhe zu bewahren“ – Israel und der „Arabische Frühling“

„Würde das Assad-Regime fallen, wäre das zweifellos ein schwerer, vielleicht tödlicher Schlag für die Allianz aus Iran und Hisbollah, und würde Israel zum Vorteil gereichen“, urteilt der Publizist Jonathan Spyer, der die israelische Zurückhaltung gegenüber dem „arabischen Frühling“ befürwortet und der Ansicht ist, daß der jüdische Staat „im Angesicht von Umbrüchen bei seinen Nachbarn gut beraten ist, Ruhe zu bewahren, sorgfältig zu beobachten, was passiert, und daraus besonnene und vernünftige Schlüsse zu ziehen“. Spyer ging 1991 von Großbritannien nach Israel; er ist Forschungsbeauftragter des Global Research in International Affairs Center in Herzliya, Israel, und schreibt unter anderem für die „Jerusalem Post“, den „Guardian“, „Haaretz“, „The Times“ und eine Reihe von Fachzeitschriften. 1992/93 und im Libanonkrieg 2006 kämpfte er in den Reihen der israelischen Armee.

Sie sind 1991 nach Israel gekommen. Worin unterscheidet sich das heutige Israel von dem Land, das sie vor 20 Jahren erlebt haben?  

Es ist ökonomisch viel stärker entwickelt. Die neunziger Jahre waren das Jahrzehnt, in dem sich der Hightech- und der Gentechniksektor entwickelt haben, was die israelische Wirtschaft transformiert hat. Das ist immer noch im Gange und beeinflußt auch die Kultur. Israel ist heute gegenüber dem Westen und der übrigen Welt viel offener und in vielerlei Hinsicht fortschrittlicher. Das ist eine wesentliche Veränderung.

Eine andere, oberflächlicher, aber nicht weniger wichtig, betrifft die Politik. 1991 war Israel politisch tief gespalten, entlang der altbekannten Gräben: Auf der einen Seite die Israelis, die für territoriale Zugeständnisse an die Palästinenser waren, weil sie dachten, daß sie Frieden bringen würden; auf der anderen Seite die, die diese Idee abgelehnt haben. Heute, zwanzig Jahre später, ist dieser Graben viel kleiner, aufgrund der Erfahrungen der Jahre des Friedensprozesses, des Scheiterns dieses Prozesses und der Konfliktjahre, die darauf folgten. Das bedeutet, daß es einen losen Konsens in der Mitte der Gesellschaft gibt, der sowohl den Glauben an das Prinzip von territorialen Zugeständnissen umfaßt als auch Skepsis im Hinblick darauf, ob sie tatsächlich zu Frieden führen werden, und den Verdacht, daß es auf der anderen Seite keinen Partner für Frieden gibt. Dieser lose Konsens in der Mitte ist etwas Neues. Das sind zwei offensichtliche und bedeutsame Prozesse, die in den letzten zwanzig Jahren in Israel stattgefunden haben. Es gibt noch einen dritten. 1991 war der Kalte Krieg gerade beendet; seitdem sind eine Million neuer Israelis aus Rußland gekommen, um hier zu leben. Diese eine Million sehr gut ausgebildeter und hochmotivierter Menschen hatte einen verjüngenden Effekt auf Israel. Es ist kein Zufall, daß ihre Einwanderung zeitlich zusammenfiel mit dem Aufstieg der Hightech-Industrie. Diese Menschen haben es Israel ermöglicht, voll von der Entwicklung dieses Sektors zu profitieren, der für das Land heute so wichtig ist. Weiterlesen

Antisemitismus in Norwegen – Interview mit Manfred Gerstenfeld

Sie sind der Meinung, daß die norwegische Gesellschaft „besessen“ sei von Israel – über das weit entfernte kleine Land werde dort viel mehr diskutiert als über das riesige Nachbarland Rußland. Warum, glauben Sie, ist das so?

Manfred Gerstenfeld: Norwegen wird von Leuten geführt, die soetwas wie Selbstkritik kaum kennen. Die fragen nicht: „Wer bin ich, was soll ich tun, was sind meine Werte?“ Ich habe in 20 westlichen Ländern gearbeitet und kann sagen: Viele norwegische Journalisten haben ein so tiefes Niveau, wie ich es sonst nirgendwo erlebt habe. Die Israel-Korrespondentin des norwegischen Staatsradios NRK hat mich mal interviewt und das Interview versehentlich gelöscht. Was tat sie? Sie hat 20 Sekunden aus einem Interview geklaut, das sie im Internet gefunden hat, meine Gedanken falsch neu erfunden and dann das von ihr Erfundene kritisiert. So etwas ist mir in keinem anderen Land passiert. Norwegens kommerzielles Fernsehen TV2 hat mich auch einmal befragt; ich habe gesagt, daß es in Norwegen wichtige Organisationen gibt, in denen man Pioniere des Antiisraelismus und Antisemitismus findet. Sie haben übersetzt: „Norwegen ist das antisemitischste Land in Europa.“ Dieses angebliche Zitat wurde von der norwegischen Presseagentur NTB aufgegriffen und zirkuliert seither in den Medien. Sie können sich gar nicht vorstellen, wie schlecht ein großer Teil der norwegischen Medien ist.

Wie kommt das?

Norwegen ist kein offenes Land, nahezu kein Ausländer spricht diese Sprache, und es gibt eine kleine oligarchische Elite, die fast alles kontrolliert. Die Norweger waren jahrhundertelang Bauern und Fischer …

… bis sie Öl gefunden haben.

Öl und Gas, ja. Es gibt einen wichtigen Unterschied zwischen Norwegen und Schweden. Schweden hat große internationale Unternehmen. Die schicken ihre Manager ins Ausland, wo sie eine gewisse Kultur des Kontakts mit der Außenwelt entwickeln. Das gibt es in Norwegen nicht. Norwegen kann sich gut gegen Kritik aus dem Ausland abschirmen. Weiterlesen

„Israel ist eine Art Wundergesellschaft“

Fiamma Nirenstein (Foto) ging 1967 als junge italienische Kommunistin nach Israel; als sie nach Italien zurückkehrte, war sie bei ihren Genossen zur persona non grata geworden, zu einer „Imperialistin“ und „unbewussten Faschistin“. Warum das so war, woher der Antisemitismus in der Linken kommt und inwieweit der „Palästinismus“ den Verstand der Europäer korrumpiert, davon erzählt die Autorin und Politikerin, die dem Regierungskabinett des italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi angehört, im Gespräch, das Stefan Frank für Lizas Welt mit ihr geführt hat.

Jerusalem ist derzeit im Fokus des Medieninteresses. Manche Leute behaupten, israelische Bauvorhaben im Ostteil der Stadt gefährdeten den „Friedensprozess“ und verärgerten die USA. Die Beziehungen zwischen den beiden Ländern hätten sich dadurch stark verschlechtert oder seien sogar in einer Krise, heißt es.

Fiamma Nirenstein: Der zehnmonatige Baustopp, der von Netanyahu im Dezember 2009 einseitig verkündet – und von Obama enthusiastisch begrüßt – wurde, bezog sich lediglich auf Siedlungen in der Westbank. Ostjerusalem war niemals darin inbegriffen. Jerusalem ist eine Angelegenheit, über die Israel und die Palästinenser nur am Verhandlungstisch reden können. Die meisten Leute sehen über die Tatsache hinweg, dass das, was gemeinhin als „Ostjerusalem“ firmiert, der Teil der Stadt ist, der zwischen 1948 und 1967 von Jordanien besetzt war. In den Jahrhunderten zuvor hatte die Stadt immer eine jüdische Bevölkerungsmehrheit. In früheren Verhandlungen, wie denen zwischen Arafat und Barak im Jahr 2000 oder denen zwischen Olmert und Abu Mazen 2007, haben sogar die Palästinenser in Erwägung gezogen, dass viele der Stadtviertel, die von den Zeitungen als „Siedlungen“ bezeichnet werden – wie etwa Ramat Shlomo –, möglicherweise in einem endgültigen Übereinkommen dem jüdischen Teil der Stadt zugeschlagen werden könnten. Und zwar deshalb, weil die meisten dieser Viertel entweder auf unbewohntem Land errichtet wurden oder in Gebieten, die vor der jordanischen Invasion von Juden bewohnt worden waren. Die Entscheidung, 1.600 Wohneinheiten zu errichten, war schon vor langer Zeit gefällt worden. Das schlechte Timing der Verkündung ist nun von den Amerikanern ausgenutzt worden, um den Friedensprozess in die von Obama gewünschte Richtung zu lenken. Weiterlesen