"Wir sind beeindruckt“
Beirut: Guido Westerwelle fährt
Boot. An Bord des deutschen Minensuchschiffs „Kulmbach“ lobt er die
deutschen Soldaten der Unifil-Mission: „Daß
dieser Einsatz ganz augenscheinlich erfolgreich ist, kann niemand
bestreiten". Er hat recht: Die Waffen an die Hisbollah, die die
Bundesmarine vor der libanesischen Küste abfangen soll, liefern Syrien und der
Iran statt dessen mit Lastwagen und Flugzeugen. Die Deutschen können sich
darauf konzentrieren, verunglückte Surfer zu retten. Außerdem sollen sie die
libanesische Kriegsmarine ausbilden. „Es geht darum, daß mehr und mehr die
Sicherheitsverantwortung in libanesische Hände übergeben werden kann",
erklärt Westerwelle. „Deswegen ist es auch wichtig, daß wir einen
Schwerpunkt bei der Ausbildung der libanesischen Sicherheitskräfte
setzen." Die Hisbollah, die Flotte und Besatzung irgendwann übernehmen
wird, zeigt sich entzückt.
Nach
dem Interview trifft sich Westerwelle mit Staatspräsident Husni
Mubarak, der bekanntlich seit 1981 keine einzige Wahl verloren hat. Da man
diesem Nachfahren Kleopatras weiß Gott keine Komplimente über seine Nase
machen kann, nennt Westerwelle ihn ersatzweise einen „Mann von großer
Weisheit“. Das gleiche hat der italienische Ministerpräsident Berlusconi ein
Jahr zuvor über Gaddafi gesagt. Westerwelle treibt den Sarkasmus auf die
Spitze, indem er der 82 Jahre alten Mumie bescheinigt, sie habe die „Zukunft
fest im Blick“. Zum Abschied ein Prost auf die nächsten 29 Regierungsjahre.
Im September 2007 machten die Israelis Assads
Plutoniumfabrik kaputt, von der sie eigentlich gar nichts hätten wissen dürfen,
und auch um die innere Sicherheit – ein Gebiet, auf dem eine Diktatur
eigentlich glänzen sollte – ist es schlecht bestellt. Obwohl Damaskus zu den
Städten mit der höchsten Geheimpolizistendichte der Welt gehört, werden dort
immer wieder mysteriöse Bombenanschläge auf die von Assad beherbergten
Terroristen verübt. Das größte Aufsehen erregte ein Vorfall im Februar 2008
als Imad Mugniyah - das Gehirn der Hisbollah und nach Meinung vieler Fachleute
der intelligenteste Terrorist der Welt - mitsamt seinem Mitsubishi Pajero
explodierte. Die Verantwortlichen wurden nie ermittelt, doch eines war klar: um
einen Fehler des Autoherstellers handelte es sich diesmal nicht.
Daß Assad jr. nicht in der Lage ist, das Überleben
seiner Terrorgäste sicherzustellen, ist ihm peinlich. Am meisten macht ihm aber
ein körperlicher Makel zu schaffen. Während sein Vater Hafez Assad einen
eleganten Schnurrbart trug, um den ihn nicht wenige Tyrannen beneideten, ist der
Bartwuchs von Bashar trotz regelmäßiger Applikation von frischem Taubenmist
recht kümmerlich. Es ist der für alle Welt sichtbare Ausdruck des
„Gewollt-aber-nicht-gekonnt“, ein Prinzip, das Assads gesamte Persönlichkeit
bestimmt - ob es um den Kampf gegen die Juden geht oder um andere Dinge des täglichen
Lebens.
Assad reagiert deshalb ausgesprochen gereizt,
wenn jemand seinen immer wieder zur Schau gestellten Radikalismus gar nicht
ernstnimmt. Das merkt auch Guido Westerwelle und fliegt noch am selben Tag nach
Berlin zurück - in Damaskus zu übernachten wäre nach diesem Eklat zu riskant.
Hat Westerwelle die Ziele seiner Reise erreicht? Da er keine hatte: ja.
Merkel
Erste Station sind die Vereinigten Arabischen
Emirate. Nachdem Merkel sich im Hotelzimmer frisch gemacht hat, besucht sie
Masdar City. Laut glaubwürdiger Quellen wie „Focus“, „Handelsblatt“,
„Hamburger Abendblatt“ und Deutschlandradio ist Masdar „die erste
CO2-freie Stadt der Welt“. Atmen dürfen die Bürger nicht, heißt das. Da in
den Vereinigten Arabischen Emiraten ohnehin alles verboten ist, werden sie wohl
auch dies akzeptieren.
Saudi-Arabien ist ebenfalls immer wieder eine
Reise wert – man sollte sich allerdings auf keinen Fall am Flughafen von
Fremden „Bücher für meine Tante in Riad“ mitgeben lassen. Dabei könnte es
sich nämlich im schlimmsten Fall um Bibeln handeln, deren Besitz in
Saudi-Arabien sehr hart bestraft wird. Bei der Eröffnung der
deutsch-saudi-arabischen Wirtschaftskonferenz in Djidda hält Merkel eine denkwürdige
Rede:
So weit der „Standard“. Mit 1,5 Millionen
Einzelfällen wird ein ganzes Land schlecht gemacht. Die Bundeskanzlerin
hingegen preist Saudi-Arabiens „klare Vision“. Es wisse, „wo es hin möchte
und wie es sich entwickeln möchte“. Merkel fügt hinzu: „Wir sind
beeindruckt von dieser Vision.“ Apropos Visionen: Kurz vor Merkels Abflug
hatte Amnesty International gemeldet, die Behörden in Saudi-Arabien hätten
„bereits im vergangenen Jahr sehr viele Menschen aufgrund von Hexerei-Vorwürfen
inhaftiert, dieses Jahr sind es noch mehr.“ Das beweist: Saudi-Arabien hat den
Weg des Fortschritts eingeschlagen, Hexen und andere Reaktionäre werden nicht länger
geduldet. Angela Merkel lobt in ihrer Rede folglich die „Ambitionen
Saudi-Arabiens, wirklich ein Wettbewerber in der Wissensgesellschaft zu
werden.“
Auch mit elf saudischen Frauen trifft sie sich -
Frauen, die, wie der mitgereiste „Bild“-Kolumnist Hugo Müller-Vogg bemerkt,
„es in dem islamischen Land als Unternehmerinnen, Ärztinnen und
Journalistinnen erstaunlich weit gebracht haben.“ Der Handelskammerpräsident
von Jeddah, der bereits erwähnte Sahel Kamel, gibt Merkel eine weitere
Richtlinie: „Glauben Sie nicht alles, was die Frauen Ihnen erzählen.“
Zurück im Hotel sagt sie zu deutschen Reportern:
„Es ist auch ganz schön, wieder zu Hause zu sein.“ Natürlich, drei Tage
sind schließlich eine lange Zeit. Hat die Bundeskanzlerin ihre Ziele erreicht?
Teilweise. In ihren Kalender hatte sie sich vor der Abreise folgendes
geschrieben: 1. Freihandelsabkommen vorantreiben (hat nicht geklappt). 2. Für
internationale Finanzmarkttransaktionssteuer werben (wollen die Saudis lieber
nicht). 3. Vertrauen in den Euro stärken (Botschaft wurde immer wieder
ausgesandt, ob sie gehört wurde, weiß man nicht). 4. Milliardenaufträge für
die deutsche Wirtschaft unterzeichnen lassen. Das immerhin wurde erledigt, und
in den nächsten Jahren dürfte noch einiges folgen. Der Deutsche Industrie- und
Handelskammertag (DIHK) schätzt, daß die Golfstaaten in den nächsten Jahren
Infrastruktur im Wert von 2,8 Billionen Dollar errichten werden. Damit das Geld
die richtigen Empfänger findet, wird Merkel auch nächstes Jahr wieder an den
Golf reisen. Wenn sie Glück hat, wird sie dann die Früchte ihrer diesjährigen
Tour sehen können: An den Kiosken von Riad wird dann vielleicht zwischen
Al-Hayat und Al-Madina auch die saudische „Emma“ hängen.