„Meine Kandidatur ist ein Signal“

Beate Klarsfeld über die Nominierung zur Bundespräsidentin, innerparteiliche Debatten bei den Linken und deren Haltung zu Israel

Frau Klarsfeld, in der Linken sind die anti-israelischen Kräfte viel stärker als in anderen Parteien. Haben Sie das bei Ihrer Entscheidung für eine Kandidatur berücksichtigt?
Die Linke ist die einzige Partei, die den Mut hatte, jemanden aufzustellen, der 1968 Bundeskanzler Kiesinger geohrfeigt hat. Sie engagiert sich wie ich für die Opfer des Nationalsozialismus und kämpft gegen Armut und für soziale Gerechtigkeit. Ich muss nicht mit allen Thesen der Linken übereinstimmen, entscheidend ist, dass sie mich und meine Arbeit achtet. In meinem Leben war immer die Solidarität mit dem Staat Israel wichtig, und mich dort zu engagieren, wo Juden verfolgt werden. Das weiß die Linke. Ich war die erste Deutsche, die seinerzeit vom israelischen Präsidenten Menachem Begin empfangen wurde. Ich wollte eine Brücke zwischen dem deutschen und dem jüdischen Volk schlagen. Das ist gelungen, und dafür wurde ich von der Knesset zweimal für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen. Das ist für eine Deutsche einzigartig, und dadurch konnte ich das Image Deutschlands im Ausland verbessern. Die Linke kennt mein Lebenswerk und hat mich deswegen vorgeschlagen.

Wird das diejenigen ärgern, die Israel dämonisieren und boykottieren wollen?
Das müssen Sie die Betroffenen selbst fragen. Ich nehme an, dass nicht alle einverstanden waren mit meiner Kandidatur, dass nicht alle die gleiche Einstellung gegenüber Israel haben. Aber ich bin einstimmig vom Geschäftsführenden Vorstand der Linken nominiert worden, was heißt, dass mich auch diejenigen gewählt haben, die meine Haltung zu Israel nicht teilen. Weiterlesen

Die USA erleben einen Gasboom

Die USA könnten in nur wenigen Jahren zu einem bedeutenden Gasexporteur werden. Von dieser Entwicklung würde am Ende auch Europa profitieren.

Wenn ein relativ kleines Unternehmen eine Milliarden-Investition tätigt und sich danach herausstellt, dass es den Markt falsch eingeschätzt hat, bedeutet dies oft den Bankrott. Der texanische Energiekonzern Cheniere Energy befand sich bis vor Kurzem in einer ähnlichen Lage. Das Unternehmen hatte sich mehrere Milliarden Dollar geliehen, um in Louisiana einen Import-Terminal für verflüssigtes Erdgas ( liquified natural gas , abgekürzt LNG) zu errichten. Das Gas, so der Plan, würde in Ländern wie Katar oder Algerien auf minus 163 Grad Celsius abgekühlt und verflüssigt, in spezielle Schiffe gefüllt, zu dem Terminal von Cheniere verschifft und dort wieder in Gas verwandelt.

Das klang zu einer Zeit, in der die Gaspreise in den USA hoch waren und manche glaubten, sie würden immer weiter steigen, nach einer guten Geschäftsidee. Doch neue Technologien – horizontales Bohren und das in Deutschland umstrittene Verfahren des so genannten Frackings , bei dem Chemikalien unter großem Druck in Gesteinsformationen gepresst werden – haben den US-Gasmarkt komplett umgekrempelt. Jetzt können auch Gasvorkommen ausgebeutet werden, die vor zehn Jahren noch als unwirtschaftlich galten. Weiterlesen