Die Spekulation dient als Frühwarnsystem

Könnte der Handel mit Kreditausfallversicherungen die Krise befeuern? Experten fordern einen besser regulierten Markt. Die Spekulation beschränken wollen sie aber nicht.

Wer erinnert sich noch an den amerikanischen Versicherungskonzern AIG? Im September 2008 stand der Riese kurz vor der Pleite. Die amerikanische Regierung und die Zentralbank gaben 180 Milliarden Dollar, um den Bankrott zu verhindern. Man fürchtete, AIG würde die großen Banken der Welt mit in den Abgrund reißen. Diese nämlich hatten jahrelang einen Großteil ihrer Kreditrisiken in Form von Credit Default Swaps (Kreditausfallversicherungen oder CDS) an AIG übertragen. Im Gegenzug kassierte AIG Prämien. Eine angemessene Vorsorge für den Fall, dass die Kredite tatsächlich ausfallen und die Versicherungen damit fällig würden, traf der Gigant nicht.

Auch in der Euro-Krise spielen CDS eine Rolle. „Wenn es Banken gibt, die sehr viele Kreditversicherungen für griechische Anleihen verkauft haben, könnte es passieren, dass sie im Falle einer Staatspleite illiquide werden und dann unter Umständen gestützt werden müssen“, sagt Thomas Mählmann, Professor an der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt und Experte für Risikomanagement. Weiterlesen

„Die Kriminellen sind in der Minderheit“

Die negative Berichterstattung könnte den Boom von Bitcoins dämpfen, sagt der Jurist Reuben Grinberg im Interview. Die Community sollte in Sicherheit investieren.

ZEIT ONLINE: Sie haben schon über Bitcoins geschrieben, bevor der diesjährige Hype begann und sich der Kurs vervielfachte. Sind Sie dank Bitcoins reich geworden?

Reuben Grinberg: Als ich anfing, mich mit Bitcoins zu beschäftigen, betrug der Kurs rund 50 Cent. Jetzt liegt er bei rund 14 Dollar. Hätte ich 1.000 oder 2.000 gekauft, würde ich jetzt eine schöne Stange Geld besitzen – selbst nach dem Kurssturz des letzten Monats. Leider habe ich damals nur zehn gekauft, zu Studienzwecken.

ZEIT ONLINE:  Werden die im vergangenen Monat bekannt gewordenen Sicherheitsmängel dem Erfolg von Bitcoin schaden?

Reuben Grinberg

Er ist Jurist und hat an der Yale Law School in den USA studiert. Grinberg beschäftigt sich seit längerem mit dem Phänomen der Bitcoins, unter anderem in dem Aufsatz: „Bitcoin: An Innovative Alternative Digital Currency“.

Grinberg: Der Preis ist um 50 Prozent eingebrochen, nachdem es Berichte gab, dass eine große Menge Bitcoins von einem Rechner gestohlen worden waren. Die Leute sind verärgert über Mt. Gox . Das ist die Börse, die das weitaus größte Handelsvolumen hat und vergangenen Monat gehackt wurde. Einige Leute haben das Vertrauen verloren und schrecken davor zurück, Bitcoins zu halten. Der heutige Preis von 14 Dollar ist aber immer noch beachtlich. Bis zum Juni ist der Kurs von Bitcoins mit jeder wichtigen Geschichte in den Medien gestiegen. Die negative Aufmerksamkeit der vergangenen Wochen könnte dieser Aufwärtsbewegung entgegenwirken. Weiterlesen

»Das Urteil ist eine Beleidigung«

Efraim Zuroff über den Freispruch für Sandor Kepiro

Herr Zuroff, ein Budapester Gericht hat am Montag den 97-jährigen mutmaßlichen Kriegsverbrecher Sandor Kepiro freigesprochen. Waren Sie schockiert von dem Urteil?
Ja, und da war ich im Gerichtssaal nicht der einzige. Selbst Kepiros Unterstützer waren völlig überrascht. Das Urteil ist eine Beleidigung des Andenkens der Opfer. Wir hoffen, dass die Revision erfolgreich sein wird.

Wie hat der Richter sein Urteil begründet?
Er hat die Verurteilung Kepiros durch ein ungarisches Gericht vor der Nazi-Invasion von 1944 völlig disqualifiziert. Das Urteil von 1948 hat er nicht anerkannt, weil, wie er sagte, es sehr wahrscheinlich sei, dass die Person, die damals gegen Kepiro ausgesagt hat, von den Kommunisten gefoltert wurde. Er erwähnte überhaupt nicht, dass die Verurteilung von 1944 nur wegen der Nazi-Invasion von einem ungarischen Gericht aufgehoben worden war. Weiterlesen

Gaddafis letztes Aufgebot

Über etwas in die Jahre gekommene, aber nach wie vor unbeugsame deutsche Friedensfreunde mit und ohne Doktortitel sowie ihre chronische Zuneigung zu Völkern und Führern wider den Westen.

In den achtziger Jahren ließ Muammaer al-Gaddafi nicht nur Terroranschläge auf Passagierflugzeuge, Flughäfen und Synagogen in aller Welt verüben, sondern er führte auch einen richtigen Krieg mit echten Panzern und Kanonen. Sein Ziel war der Tschad, den er militärisch unterwerfen und zu seiner Kolonie machen wollte. An Waffen fehlte es ihm nicht, wohl aber an Soldaten. Darum rekrutierten die libyschen „Volksbüros“ (so nannte Gaddafi seine Botschaften, aus denen heraus zuweilen Passanten erschossen wurden) überall auf der Welt Söldner, so viele, wie man eben für viel Geld und leere Worte bekommen konnte. Weiterlesen