Diese teuflischen Juden!

Seit zweieinhalb Wochen setzt Israel sein neues mobiles Raketenabwehrsystem Iron Dome ein, um Geschosse aus dem Gazastreifen unschädlich zu machen – mit Erfolg. David Horovitz, der Chefredakteur der israelischen Tageszeitung Jerusalem Post, hat sich in einer Glosse vorzustellen versucht, wie man wohl bei der Hamas darauf reagiert, dass der Abwehrschirm funktioniert. Stefan Frank hat den Beitrag mit freundlicher Genehmigung des Autors für Lizas Welt ins Deutsche übersetzt.


VON DAVID HOROVITZ


Diese teuflischen Juden. Sie machen es uns so schwer, sie zu töten. Sie haben jeden Vater, jede Mutter und jedes Kind aus dem Gazastreifen zurückgezogen, wo wir sie leicht hatten treffen können. Sie haben ihre Armee ebenfalls zurückgezogen. Bis auf den letzten Panzer und den letzten Soldaten. Der Einzige, den wir jetzt hier haben, ist Gilad Schalit. Einige von ihnen dachten, das könnte unsere Begierden befriedigen. Idioten. Sie dachten, die „internationale Gemeinschaft“ würde uns die Hölle heiß machen, wenn wir weiterhin versuchen, sie zu töten. Dummköpfe. Natürlich haben wir nicht daran gedacht, damit aufzuhören, und natürlich hat sich niemand angeschickt, uns aufzuhalten. Wir werden nicht einhalten, bis wir sie alle ganz aus Palästina herausterrorisiert haben. Es ist übrigens nicht so, als würden wir daraus ein Geheimnis machen; das steht ja alles in unserer Charta. Aber, der Himmel steh uns bei, sie sind nicht leicht zu bewegen. Und sie schätzen das Leben. Sogar das unserer Leute. Weiterlesen

Willkommen im Club

Kein Land der Arabischen Liga beantragt eine Sitzung, die sich mit der blutigen Niederschlagung von Protesten in Syrien und der Ermordung von Gegnern des Assad-Regimes befasst. Warum? „Syrien ist anders als jedes andere arabische Land“, sagt ein Funktionär der Arabischen Liga. „Als ein Land unter israelischer Besatzung … hat das herrschende Regime in Damaskus eine gewisse Besonderheit, das Land befindet sich in einem Kriegszustand.“ Die Golanhöhen – 0,65 Prozent der Fläche Syriens – sind von Israel besetzt, also darf Assad ruhig auf Demonstranten schießen.

Daran kann man die Überlegung knüpfen, ob auch Gaddafi mit so viel Nachsicht behandelt würde, wenn er seinen Kampf gegen die Juden noch genauso entschlossen führte wie in den siebziger und achtziger Jahren. Er wird mit anderem Maß gemessen als Bashar al-Assad – was aber nicht bedeutet, dass er keine Freunde mehr hätte. Auch ein Antisemit in Altersteilzeit hat noch viele Anhänger, die ihn wegen seiner „antiimperialistischen Vergangenheit“ schätzen und lieben. Oder dann, wenn sie gezwungen sind, sich von ihm aus geschäftlichen Gründen zu distanzieren, es auf eine Weise tun, die die alte Bewunderung immer noch durchscheinen lässt. Zwei Beispiele: Weiterlesen

„Arabischer Frühling“ in Libyen

Europas Politiker, Journalisten und Intellektuelle lieben Diktatoren, die vom Volk gefürchtet werden und für Ruhe sorgen können. Entgleitet ihnen die Kontrolle, haben sie versagt und werden verachtet. Hosni Mubarak regierte Ägypten fast 30 Jahre lang im Ausnahmezustand. Vier Wochen vor seinem Sturz wurde er in deutschen Zeitungen erstmals „Diktator“ genannt. Daß Außenminister Westerwelle ihn im Mai 2010 als Mann von „großer Weisheit“ gepriesen hatte, der „die Zukunft fest im Blick“ habe (s. KONKRET 7/10), war seinerzeit kaum jemandem eine Bemerkung wert; sieben Monate später wurde er deshalb verspottet – weil er auf einen Schwächling gesetzt hatte. Die Partei des ehemaligen tunesischen Diktators Ben Ali war über 20 Jahre lang Mitglied der Sozialistischen Internationale. Vier Tage nach Ben Alis Sturz wurde sie ausgeschlossen – gegenüber Versagern ist die Sozialistische Internationale so unerbittlich wie die Cosa Nostra.

Die aber, die ihre Gegner im stillen abmurksen, brauchen keine Kritik zu fürchten. Kaum vorstellbar, daß sich ein „Brennpunkt“ mit der Lage der Menschenrechte in Saudi-Arabien beschäftigt oder bei „Anne Will“ über die Vereinigten Arabischen Emirate debattiert wird. Helmut Schmidt traf sich zum Plausch mit Mobutu, Helmut Kohl ging mit Suharto angeln. Die Macht ist für das Ansehen des Diktators so wichtig wie die Stimme für den Sänger. Einen ehemaligen Sänger möchte niemand singen hören, mit einem Exdiktator läßt sich kein Politiker fotografieren. Da alle auf der Seite des Gewinners stehen wollen, liefert die Schwarmintelligenz der Journalisten brauchbare Hinweise darauf, wie stark die Position eines Diktators ist: Wird jemand, über den vorher nie ein böses Wort fiel, plötzlich geschmäht, dann wird er wahrscheinlich bald seine Macht verlieren. Bei Gaddafi war die Sache zu Redaktionsschluß noch ungewiß: Seine Massaker werden getadelt (niemand möchte sehen, wie die Wurst gemacht wird, lautet ein altes Diplomatenmotto), die Verdienste bei der Flüchtlingsabwehr gelobt, vor aktiver Parteinahme in diesem Konflikt gewarnt. Weiterlesen