In guter Gesellschaft

Vieles spricht dafür, dass der Deutsch-Syrer Mamoun Darkazanli (51) für Al-Qaida von überaus großer Bedeutung ist und gute Kontakte zu ihr pflegt. Er selbst sieht sich jedoch als Opfer – und freut sich, dass es die deutschen Behörden sind, die gegen ihn ermitteln. Schließlich können sie an seinem Handeln partout nichts Strafbares erkennen.


Auf Antrag der Linksfraktion beschäftigt sich der Innenausschuss des Deutschen Bundestages am kommenden Mittwoch mit den angeblichen Mordplänen des US-Geheimdienstes CIA gegen den Deutsch-Syrer Mamoun Darkazanli (Foto). Anlass ist eine Reportage in der amerikanischen Illustrierten Vanity Fair über Erik Prince, den Chef und Gründer des privaten Militärunternehmens Blackwater. Beiläufig wird darin erwähnt, dass das Unternehmen einmal von der CIA den Auftrag erhalten haben will, den Hamburger Geschäftsmann Darkazanli und den pakistanischen Atombombentüftler Abdul Qadir Khan zu beschatten und später eventuell umzubringen. Die Pläne seien jedoch wegen des „fehlenden politischen Willens“ nicht ausgeführt worden. „Es macht mich sprachlos, ehrlich gesagt. Das ist ein Mordauftrag“, sagte Darkazanli dazu der Bild-Zeitung und präsentierte ihr elektronische Bauteile, die er vor kurzem im Wagen seiner Frau entdeckt habe: „Vielleicht sind das Peilsender“. Darkazanli braucht sich aber keine Sorgen zu machen – auch Autofahrer, die nicht von der CIA beschattet werden, haben heutzutage solche Geräte in ihren Fahrzeugen. Außerdem ist es kein Geheimnis, dass nicht alles stimmt, was in Vanity Fair steht. Weiterlesen

„Genetisch ein Faschist“

Das Ende der Militärdiktaturen in Lateinamerika bedeutet nicht, daß das Zeitalter der Vernunft angebrochen wäre – das zeigt das Beispiel Venezuela.

Seit ihrer Unabhängigkeit wurden die Länder Lateinamerikas meist von Diktatoren beherrscht, die durch einen Staatstreich an die Macht gekommen waren – oder aber es waren Männer, die demokratisch gewählt worden waren, sich dann aber entschieden, daß sie für das Land zu wichtig seien, als daß sie die Macht wieder abgeben könnten. Wahlen wurden gefälscht, Kandidaten eingeschüchtert oder umgebracht.  Und selbst wenn augenscheinlich alles demokratisch zuging, hing doch über jeder Regierung ein Damoklesschwert: Würde sie sich mit den Großgrundbesitzern, der Armee oder mächtigen ausländischen Konzernen anlegen, könnte sie schnell gestürzt werden.

Der Großgrundbesitz verhinderte jede wirtschaftliche und soziale Entwicklung, und die Staatsausgaben, die notwendig waren, um die herrschende Ordnung aufrecht zu erhalten, taten das übrige. „Die Kluft, die sich in Lateinamerika zwischen dem Wohlstand einiger weniger und der Misere der großen Mehrheit auftut, ist unendlich viel größer als in Europa oder den Vereinigten Staaten. Die Methoden, um diese Distanz zu erhalten, sind deshalb umso drastischer. Brasilien besitzt eine riesige, bestens ausgerüstete Armee, für die Erziehung sind dagegen nur fünf Prozent des Staatsbudgets vorgesehen. In Uruguay wird momentan die Hälfte des Budgets von Militär und Polizei geschluckt; ein Fünftel der aktiven Bevölkerung hat zur Aufgabe, den übrigen Teil zu überwachen, zu verfolgen oder zu bestrafen“, schrieb der uruguayische Schriftsteller Eduardo Galeano 1977 im Nachwort zur Neuauflage seines Buches Die offenen Adern Lateinamerikas. Weiterlesen