Wer erfand den Keynesianismus?

„Wir sind jetzt alle Keynesianer“, schrieb der amerikanische Ökonom Milton Friedman 1965. Der Satz wird heute so häufig zitiert wie nie zuvor. Wie aber ist die Idee, dass der Staat während einer Rezession mehr Geld ausgeben solle, um die Konjunktur „anzukurbeln“, eigentlich in die Welt gekommen? Darüber kursieren viele Missverständnisse. Allgemein bekannt ist, dass es mit der US-Wirtschaft nach dem Börsencrash von Oktober 1929 bergab ging. Dann aber fangen die Irrtümer an: Der damalige republikanische US-Präsident Hoover habe durch seine Sparpolitik die Depression herbeigeführt, glaubt mit vielen anderen der Wirtschaftsnobelpreisträger Paul Krugman. Erst Franklin D. Roosevelt habe nach seinem Wahlsieg 1932 das Steuer herumgerissen und eine Politik staatlicher Defizite eingeleitet. Soweit der Mythos. Die wirkliche Geschichte verlief anders. Hoover war kein „Sparer“, sondern müsste als der eigentliche Initiator der später als „New Deal“ bekannt gewordenen Politik staatlicher Ausgabenprogramme gelten: Zu Beginn seiner vierjährigen Amtszeit betrugen die Staatsschulden 20 Prozent des Bruttosozialprodukts, am Ende waren es 40 Prozent. (Roosevelt warf Hoover deshalb im Wahlkampf 1932 vor, die Ausgaben seien außer Kontrolle geraten; sein Vizepräsidentschaftskandidat Garner sah das Land gar auf dem Weg zum Sozialismus). Weiterlesen

Gute Zeiten, schlechte Zeiten

Die Türkei geht auf Distanz zu Israel und intensiviert die Beziehungen zum Iran.

Unsere Beziehungen zur Türkei sind in letzter Zeit sehr gut«, sagte 1953 Maurice Fisher, der israelische Botschafter in der Türkei – und warnte gleichzeitig: »Diese guten Beziehungen können sich über Nacht verschlechtern, und wir sollten aus den bitteren Erfahrungen anderer lernen.« Die Geschichte hat ihm recht gegeben. Das türkisch-israelische Verhältnis war seither ständigen Wechseln unterworfen. Vor wenigen Jahren hieß es einmal mehr, es sei so gut wie nie zuvor. Heute sagen viele, es habe einen historischen Tiefpunkt erreicht.
Als Israel Anfang des Jahres militärische Maßnahmen ergriff, um den Beschuß seiner Städte durch Raketen und Granaten aus dem Gazastreifen zu unterbinden, wurde dies von der Türkei – die in den letzten Jahren immer wieder irakische Dörfer mit Bomben, Panzern und Artillerie angegriffen hat – scharf verurteilt. Die diplomatische Lage spitzte sich zu, als der türkische Ministerpräsident Erdogan auf dem Wirtschaftstreffen in Davos eine Rede gegen Israel halten wollte und vom Moderator gebeten wurde, sich kurz zu fassen. Tobend und fluchend verließ er den Saal – und wurde dafür zu Hause frenetisch gefeiert. Weiterlesen